Urban Sketching: Interview mit Miriam Benmoussa

| Keine Kommentare

Wir haben euch ja bereits vom neuen Großstadt-Trend „Urban Sketching“ erzählt. Im Rahmen der Recherche für den Urban Sketching Artikel bin ich auf Miriam Benmoussa gestoßen und hatte die  Gelegenheit, mit ihr über ihre Definition von Urban Sketching, die Bedeutung eines Notizbuchs und urbanes Malen zu sprechen. Wie es sich für eine echte Sketcherin gehört, hat uns Miriam eine Frage per Zeichnung beantwortet:

Hallo Miriam, Wie bist Du zum Urban Sketching gekommen, wie hat das Ganze für Dich angefangen?

Ich zeichne schon immer, genau genommen, seitdem ich denken kann. Ich war schon immer in Stifte, Notizbücher und Kunstmaterialien verliebt. 2007 habe ich angefangen, intensiver vor Ort zu zeichnen, um das zu malen, was ich sehe, meine Umgebung, meine Reisen, mein hier und jetzt: also Urban Sketching ohne zu wissen, dass es Urban Sketching gibt. Es hatte eine tiefe Bedeutung, fast etwas Meditatives. In der Zeit davor versuchte ich, Freunde dazu zu bringen, auch zu zeichnen. Es ist mir mehr oder weniger gelungen. Einige zeichnen bis heute noch ab und zu, ein anderer war anfangs so begeistert, dass er sich gleich „zu“ viel Material gekauft hat. Leider hat er es schnell wieder aufgegeben und seine kostbaren Materialien nur sehr selten genutzt genutzt.

Ich kann mich erinnern wie es dazu kam, dass ich mit dem Urban Sketching anfing. Ich habe Anfang 2011 im Internet nach Skizzierkursen gesucht. Per Zufall bin ich auf www.sketchcrawl.com gestossen: eine tolle Sache, erfunden von Enrico Casarosa. Hier treffen sich alle drei Monate Sketcher auf der ganzen Welt. Im Forum wird der Zeitpunkt des Treffs bekanntgegeben und anschließend beginnen die Sketcher, Termine auszumachen. Es sind an dem gleichen Tag überall auf der Welt tausende von Sketchers unterwegs und zeichnen ihre Umgebung. Danach werden die Zeichnungen auf dem Forum geteilt. Als es darum ging, ein Treffen in München zu vereinbaren, sagten viele Sketcher mit der Begründung ab, auf dem Lissabonner Urban Sketcher Symposium zu sein. Dadurch kam ich auf Urban Sketchers und war sofort fasziniert. Fast täglich habe ich mir die Posts der Korrespondenten angeschaut. Urban Sketching war meine Leidenschaft, genau das, was ich seit Jahren gemacht habe!

Quelle: Miriam Benmoussa. Alle Rechte liegen bei der Künstlerin.

München Rosenstraße

Quelle: Miriam Benmoussa. Alle Rechte liegen bei der Künstlerin.


 

 

 

 

 

 

 

 

Was bedeutet Urban Sketching für Dich? Wie definierst Du Urban Sketching?

Urban Sketching bedeutet Freude daran, das zu zeichnen, was man direkt vor Augen hat. Das kann vieles sein: Stadt, Natur, Zuhause. Urban Sketching bedeutet auch, Menschen mit der gleichen Leidenschaft kennenlernen und wertvolle Momente mit Ihnen teilen. Tipps und Tricks zu diskutieren, neue Materialien und Skizzenbücher entdecken, die Skizzen anderer zu kommentieren. Urban Sketching hat insofern mein Leben verändert, dass ich noch viel mehr zeichne und male als früher. Dadurch, dass ich mit meinem Job, der nichts mit dem Zeichnen zu tun hat, viel unterwegs bin, hatte ich die Möglichkeit, in den letzten Monaten viele Urban Sketchers aus aller Welt kennenzulernen. Es ist wirklich immer wieder faszinieren, welch intensive Verbindung zwischen Urban Sketchern auf natürliche Weise zustande kommt.

Das ist das Besondere und Wertvolle am Urban Sketching: es bringt Menschen zusammen, welche die gleiche Leidenschaft teilen. Freundschaft entsteht, egal woher man kommt, welche Sprache man spricht, wie alt man ist.

Wieviel Zeit investierst Du für die Skizzen und wie viel in die Nachbearbeitung?

Es kommt ganz auf die Skizze an. Eine Skizze von Leuten in der U-Bahn kann 1-5 Minuten dauern, wozu ich ein kleines Notizbuch in der Handtasche verstecke. Eine größere Skizze dauert in der Regel eine halbe Stunde , die Farbe auch etwa eine halbe Stunde.

Wie digitalisierst Du Deine Skizzen?

Bis Anfang des Jahres habe ich immer meine Skizzen gescannt, aber seitdem ich in Lissabon auf einem Workshop war und es keinen Scanner für das Panoroma-Format gab, habe ich begonnen, meine Skizzen zu fotografieren und mit einem Knopfdruck zu belichten. Die Qualität ist mittelmäßig, aber das reicht für meinen Blog und für FlickR.

Mit welchem Material ziehst Du los? 

Skizzenbuch, Bleistift, Lamy Füller oder Feinliner, wasserfest, Noodler’s Ink in Lexington Grey. Letztere ist für Füller geeignete, wasserfeste Tinte. Zudem einen Aquarellkasten von Schminke mit einem Mix von Farben. Ich habe Euch das mal gezeichnet.

Sketch von Zeichenutensilien

Quelle: Dieses Bild wurde uns freundlicherweise von Miriam Benmoussa zur Verfügung gestellt. Alle Rechte liegen bei der Künstlerin.


Miriam, zum Schluss die Frage: welche Bedeutung hat Dein Notizbuch für Dich?

Mein Notizbuch – genauso wie mein Täschchen, in der sich Tintenfüller, Wasserfläschchen und Aquarellkasten befinden – ist fester Bestandteil meiner Handtasche, genauso wichtig wie mein Portemonnaie oder mein Personalausweis. Ich gehe nie ohne aus dem Haus. Ich schaffe es nicht jeden Tag zu zeichnen, aber ich versuche, jede ruhige Minute zu nutzen.

Mein Skizzenbuch ist so etwas wie mein Tagebuch, in dem ich besondere Momente festhalte. Skizzen sind für mich mehr wert als eigene Photos, denn man braucht länger, um sie herzustellen und dadurch halten sie noch viel mehr von dem Moment fest, in dem sie entstanden sind.

Miriam, wir danken Dir ganz herzlich für Deine Zeit und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg.

Schreib einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.