Trendsport: Bike Bergsteigen – Interview mit Carsten Schymik (Teil 3)

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Im dritten Teil meines Interviews mit dem Bike-Bergsteiger Carstem Schymik sprechen wir über Lieblingstouren und die Bedeutung von Fahrtechnik für den Mountainbike-Sport: 

Wir leben in Westeuropa in einer Welt des Überflusses und großenteils im Luxus. Sind die oft entbehrungsreichen Touren für Dich hierzu ein bewusster Gegensatz oder geht es für Dich um anderen Dinge, um andere Werte?

Carsten Schymik: „Unser Alltag ist in der Tat zu planbar, zu eintönig und zu abgesichert. Nichts ist langweiliger als Routine und feste Abläufe. Diese suggerieren Sicherheit, machen aber langfristig krank. Ich gehöre zu den Menschen, die tagtäglich Herausforderungen benötigen. Dies kann der Trail auf dem Weg zum Bürojob, das Rennen mit dem Kollegen auf dem Heimweg oder die Durchführung einer mehrtägigen Tour in den Bergen sein. Dafür bin ich bereit Risiken einzugehen, ab und zu Grenzen zu überschreiten und feste Regeln zu brechen. Dennoch ist es immer wieder schön, abends in den sicheren Hafen der Familie einlaufen zu können.“

Du hast gesagt, dass Dir Deine Familie wichtig ist. Wie lässt sich Dein zeitintensives Hobby mit der Rolle als Vater vereinbaren?

Carsten Schymik: „Ich versuche natürlich viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Sie haben zum Glück großes Interesse an allen möglichen Outdoorsportarten wie Klettern oder Skifahren. Ich versuche Ihnen hier möglichst viel zu zeigen, ohne sie in eine bestimmte Richtung drängen zu wollen. Sie sollen Spaß am Sport haben und später selbst entscheiden, ob und was sie intensiv betreiben wollen. Es bereitet mir jedenfalls eine große Freude ihnen z.B. das Skifahren beizubringen oder zu sehen, dass sie in der Sportaktobatik Dinge tun können, die ich selbst sicher nie mehr lernen werde.“

Hast Du eine Lieblingstour? Du hast auf dem Blog beschrieben, dass Du ganz begeistert warst vom Monte Grappa.

Carsten Schymik: „Der Monte Grappa ist in der Tat eine Besonderheit. Besonders vor allem deshalb, weil hier ein Teil der blutigen Geschichte Europas noch heute hautnah erlebbar ist. Man muss sich das vorstellen: unsere Großväter sind hier von knapp einhundert Jahren erfroren und zu Tode geschunden worden. Heute können wir gemeinsam mit unseren Sportsfreunden aus Italien, Österreich und vom Balkan dort Touren unternehmen. Das ist doch eine großartige Form der Wiedergutmachung für all‘ das Leid, welches unsere Vorfahren dort erleben müssen. Hier wird Geschichte erlebbar und wir können unseren Kindern auf anschauliche Weise sowohl die Schrecken des Krieges als auch den unbezahlbaren Wert einer friedlichen Welt erklären. Das sich auf den alten Kriegswegen heute eines der besten Bikereviere der Welt befindet, ist in Summe ein großer Gewinn für Europa.“

Was empfiehlst Du Leuten, die mit dem MTB Sport noch nicht viel zu tun haben, aber eine große Begeisterung für die Natur verspüren und Lust haben, diese mit dem MTB zu erleben?

Carsten Schymik: „Viele Bikeanfänger legen zunächst einen viel zu großen Fokus auf gutes und teures Material, schicke Klamotten und auf den Aufbau von Kondition. Dabei ist ein wesentlicher Faktor beim Mountainbiken das Fahren und Beherrschen von Singletrails. Für einen Skifahrer ist es obligatorisch einen Skikurs zu besuchen. Von uns Bikern haben bisher die wenigsten einen Fahrtechnikkurs absolviert. Radfahren kann man ja, und schieben auch. Aber dadurch dass man fahrtechnische Herausforderungen meidet, seine Ängste nicht überwindet verbaut man sich selbst den Weg schnell ein besser oder richtig guter Biker zu werden. Ich selber habe nach über 20 Jahren Erfahrung auf dem Bike letztes Jahr zum ersten Mal einen Kurs besucht, um etwas dazu zu lernen. Und ich muss sagen, es hat meine Horizont immens erweitert und mir nochmals neue Möglichkeiten eröffnet, die ich mir vor einem Jahr niemals zugetraut hätte. Und genau dies macht die Faszination Mountainbiken aus: nach oben gibt es immer noch was Neues, egal ob man blutiger Anfänger oder ein Routinier ist.“

Gibt es eine ideale Einsteigertour für Dich? Wenn ja, wo?

Carsten Schymik: „Das ist eine schwere Frage. In den Bergen würde ich ins Tannheimer Tal oder nach Davos fahren. Aber auch an andern Orten findet man heute flächendeckend Tourenmöglichkeiten von Bikehotels oder Tourismusverbänden. Wer zu Hause in den Mittelgebirgen anfangen will, der nimmt sich am besten eine Karte zur Hand und sucht nach roten Linien. Ideal ist hier immer der Anschluss an eine lokale Gruppe, die sich in der Gegend gut auskennt. Wer zwei Tage investieren will, der kann sich mal die Umrundung der Miemiger Kette ab Ehrwald ansehen. Diese kann man auf verschiedenen Routen durchführen und individuell im Schwierigkeitsgrat und in der Länge anpassen. Zu vielen Schotterwegen gibt es eine Alternative auf Singletrails. Bestes Bergpanorama und eine tolle Landschaft sind hier natürlich garantiert.“

 

Carsten SchymikDer Aalener Buchautor Carsten Schymik geht bereits seit 1990 seinem liebsten Hobby nach: dem Mountainbiken. Am 21. April erscheint sein neues Buch mit dem Titel “Die 7 Bike-Summits der Alpen: Ein Bike-Guide mit den sieben schönsten und höchsten »bikebaren« Gipfel der Alpen.”

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