Trendsport: Bike Bergsteigen – Interview mit Carsten Schymik (Teil 2)

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Im zweiten Teil meines Interviews mit dem Bike-Bergsteiger Carstem Schymik sprechen wir über das Auffinder neuer Pfade und Trails, das Thema Sicherheit beim Bike-Bergsteigen und was Gipfelglück wirklich bedeutet. 

Gehst Du häufig Risiken ein, um neue Trails ausfindig zu machen? Du bist ja beispielsweise auch öfter auf Gletschern unterwegs?

Carsten Schymik: „Das größte Risiko dass man eingeht ist eigentlich, dass man auf einen Gipfel hoch trägt und oben merkt, dass die geplante Abfahrt doch nicht fahrbar ist. Will man auf der Aufstiegsroute abfahren, merkt man dies vielleicht noch rechtzeitig. Plant man dagegen eine Überschreitung, kann die Erkenntnis auch zu spät kommen. Andere Risiken sind mit denen bei normalen Biketouren und allgemein bei Bergtouren vergleichbar. Mit schlechtem Wetter, Dunkelheit und Steinschlag muss man immer rechnen. Stürze und Verletzungen dann schon eher Bikespezifisch. Generell darf man sich bei Touren im Gebirge keine Stürze erlauben. Daher fahren wir immer sehr defensiv, gehen keine unnötigen Risiken ein und an Schlüsselstellen wird gespottet. Das bedeutet ein zweiter Fahrer steigt ab und sichert den Biker ab, der eine  anspruchsvolle und unter Umständen ausgesetzte Sektion probiert. Zudem tragen wir Protektoren und einen Rucksack. Das Überschreiten von Gletschern ist eher die Ausnahme. Diese Aktionen machen oftmals auch keinen Sinn. Dafür gibt es immer sehr spektakuläre Fotos. Die Risiken auf Gletschern sind ähnlich, wie im Winter auf Skitouren. Ist man mit diesen vertraut und beachtet man die notwendigen Regeln werden die Risiken etwas kalkulierbarer. Zudem sollte man zumindest einen Teil er der erforderlichen Ausrüstung mit sich führen und mit deren Gebrauch gut vertraut sein.“

Gibt es Sicherheitsvorkehrungen, die Du zwingend einhältst? Oder fährst Du eher nach Gefühl?

Carsten Schymik: „Die Gruppe muss zusammen harmonieren, das Zeitmanagement zur Tour passen und die Planung muss genau genug sein. Wir legen uns in der Regel Abbruchkriterien und Alternativrouten zurecht. Das Mitführen von Karten, GPS und Handy ist obligatorisch. Zudem ist immer ein Erste Hilfe Set, eine Notbeleuchtung und eine Reepschnur im Gepäck. Vor der Abfahrt haben wir uns einen Partnercheck auferlegt: Ist das Bike abfahrtsbereit (Sattel versenkt, Gabel ausgefahren, Dämpfer offen, Reifendruck, Bremse geht?) und sind alle Fahrer bereit und ausgerüstet (Helm, Protektoren an, alles eingepackt, Rücksack drauf)? Das mag zwar etwas übertrieben klingen, aber war in der Vergangenheit schon mehrfach erforderlich.“

Du hast ein Buch über sieben der höchsten Berggipfel geschrieben, die glücklich machen. Was bedeutet für Dich Gipfelglück?

Carsten Schymik: „Erst wenn Du auf dem Gipfel stehst, bist Du wirklich ganz oben. Eine Tour kann eigentlich nur auf einem Gipfel enden. Zudem eröffnen sich auf Gipfeln oftmals mehrere Abfahrtsmöglichkeiten in verschiedene Richtungen, wohingegen ein Pass meist zweidimensional ist: eine Seite hoch und auf der anderen Seite wieder runter. Auf Gipfeln trifft man meist auch andere Leute und andere Bergsportdisziplinen wie Kletterer oder Klettersteiggeher. Ein Gipfel stellt einen Kulminations- und Kommunikationspunkt dar. Zum Gipfel gehört denn natürlich auch ein obligatorisches „Berg Heil“, eine Gipfeljause und manchmal auch ein Gipfelschnaps zum Programm.“

Das Buch erscheint im April und kann ab sofort vorbestellt werden. Erzähl‘ uns doch ein paar Dinge zu dem Buch.

Carsten Schymik: „Jetzt muss ich natürlich erst einmal zurückrudern. Die Seven Bikesummits der Alpen sind natürlich keine Bikebergsteigertouren im klassischen Sinne, wo man sein Bike stundenlang bergauf trägt und dann auf verblockten und fahrtechnisch sehr anspruchsvollen Steigen und Pfaden wieder ins Tal zurück balanciert. Der Grundgedanke des Buches ist auf jeden Fall darauf ausgelegt, die Mehrzahl der Mountainbiker anzusprechen. Alle beschriebenen Gipfel sind mehr oder weniger fahrend erreichbar. Zudem werden sowohl Tourenbiker als auch abfahrtsorientierte Biker angesprochen. Es sind sowohl einfache und familientaugliche Einsteigertouren als auch Freeridetouren mit Shuttle oder Seilbahnunterstützung enthalten. Aber Extrembiker werden trotzdem nicht enttäuscht werden. Ein paar Touren werden auch versierte Trailakrobaten an ihre Grenzen bringen. Ich habe versucht, möglichst schöne Gegenden zu besuchen und nur Orte mit ins Buch aufgenommen, an denen Biker auch willkommen sind.“

Auf Deinem Blog beschreibst Du faszinierende Erlebnisse. Wie wichtig ist für Dich die Dokumentation Deiner Touren?

Carsten Schymik: „Bei mir besteht eine Berg, Ski- oder Mountainbiketour immer aus drei Phasen: einer intensiven Planung, der Durchführung und der Nachbereitung in Form von Fotos, Blogbeiträgen und manchmal auch im Schreiben von Büchern. So kann ich die Erlebnisse mit Gleichgesinnten teilen. Ich gebe ihnen so die Möglichkeit, eine unbeschwerte Tour durchzuführen, die schon jemand gemacht hat und bewahre sie somit hoffentlich vor einer Fehlplanung. Natürlich freue ich mich immer über Feedback, ein Like bei Facebook oder über konstruktive Kritik an der Veröffentlichung.“

 

Carsten SchymikDer Aalener Buchautor Carsten Schymik geht bereits seit 1990 seinem liebsten Hobby nach: dem Mountainbiken. Am 21. April erscheint sein neues Buch mit dem Titel “Die 7 Bike-Summits der Alpen: Ein Bike-Guide mit den sieben schönsten und höchsten »bikebaren« Gipfel der Alpen.”

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